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Von Hundert auf Null auf Hundert
Vert erfindet nach dem Totalverlust mal eben das Singer/Songerwritertum neu
Text: Jens Pacholsky
Vor drei Jahren frickelte Adam Butler als Vert noch verheißungsvoll an Klavier-Partituren aus seinem digitalen Prozessor herum und überführte damit das Werk des Pianisten Keith Jarrett ins 21. Jahrhundert. Ein Jahr später kam der Druck des Reset-Buttons. Ein Einbruch ins Studio brachte den Verlust des gesamten Equipments und aller Computer-Backups. Adam Butler stand vor dem Nichts.
Sing Along…
Und machte das Beste daraus. Kein altes Equipment bedeutete vor allen Dingen kein Weiterführen der alten Musik und eine Reduktion auf das technisch Mögliche. Pianos stehen eigentlich in jeder guten Bar, und wenn Adam Butler zudem etwas nicht gestohlen werden konnte, dann ist das seine Stimme – die er auf seinen ersten drei Alben in weiser Voraussicht ausgespart hatte.
Das Ergebnis ist überraschend. Zwischen Chanson, Spoken Word und anekdotischem Storytelling lässt Butler seine Stimme pendeln. Wie der Direktor einer farbenfrohen Schau in einem obskuren Etablissement erzählt der Exilbrite seltsame Geschichten mit wundervoll rauchigem Akzent.
…And Don’t Cry
Das musikalische Backup fusioniert dabei zu einer Mischung aus Electronica, 1980er-Pop, Funk und HipHop, in der das Ragtime-Piano aus alten Spelunkenzeiten das Fundament bildet. Adam Butler sieht seine Einflüsse selbst in den Top Of The Pops der 1970er und 1980er Jahre, und der Eindruck eines Madness-Sounds dürfte daher beim Einsatz der Bläser in »Gretchen Askew« nicht ganz falsch sein. Gleichzeitig schafft Vert in »This On« den Sprung zum HipHop à la Outkast und Black Eyed Peas, wenn er einen leichten 2Step-Rhythmus mit orientalischen Tunes verfeinert.
Den Beispielen vieler gescheiterter Versuche experimenteller Musiker, das Pop-Feld zu beackern und dabei völlig unzugänglich und akademisch zu klingen, folgt Adam Butler nicht. Seine Musik bleibt unheimlich verspielt und dem Groove zugeneigt, die Produktion kommt genauso professionell, und klanglich versiert wie locker und unkonstruiert daher. So viel Spaß hätte man dem Wahlkölner nach dem herben Verlust nicht zugetraut. Und wo hat er nur dieses Talent des Chansonniers her? Vorhang auf, Zeit für die Bühnenshow!
:: Vert: Some Beans & An Octopus (Sonig/Rough Trade)
:: Vert Sounds
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