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Versteckte Harmonie
Christopher Willits umgeht den verfänglichen Harmoniekitsch der Electronica mit einem geschickten Versteckspiel
Text: Jens Pacholsky
Christopher Willits Albumtitel »Surf Boundaries« passt. Auch wenn man sich erst zurechtspinnen muss, was dieser bedeuten könnte. Trotzdem, er passt. Es ist ein Surfen im Lee, ein Hören an den Grenzen des Hörbaren.
Wie so viele Electronica-Künstler begibt sich Willits, Multimedia-Künstler und umtriebiger Musik-Kollaborator mit Künstlern wie Ryuichi Sakamoto, Kid 606 oder Paul D’Amour (Tool), auf das Feld der Click & Cuts und der Gitarrennoten. Ein klassisches Konzept also, könnte man meinen. Doch anstelle nur an den Noten- und gefälligen Harmoniesträngen entlang zu gleiten und ein wenig herum zu loopen, sucht der gebürtige Kalifornier die Grenzen des surftechnisch Machbaren, selbst wenn diese Suche die seichten Gewässer nicht unbedingt verlässt.
Grenzwahrnehmung
Doch auch das Surfen ohne Wellen kann spannend sein. Willits Melodien rutschen trotz ihrer Wiedererkennungsmomente als Indie-Riffs, Postrock-Schrabbeln oder Singer/Songwriter-Gezupfe nie in den beliebigen Gitarrenkitsch, der dann nur noch durch Zerstückelung und Loops malträtiert wird. Die Clicks & Cuts verstecken sich vielmehr ganz weit hinten, erscheinen nur offensichtlich, wenn alles ruht, während Willits mit einem breiten, weichen Pinsel alles Harmonische aus Gitarre, Bläsern und Gesang nahezu in ein White-Noise-Feld verwischt. Aber eben nur beinahe. Es bleibt immer ein schwacher Melodienpuls bestehen, der den Surfer weiterträgt, immer ein zurückhaltend eingesetzter Drum-Part, der vorantreibt. Es ist ein Hauch, ein kleiner Halt am Rande der strukturellen Wahrnehmbarkeit, der im Rauschen der Stille erklingt und die Orientierung sicherstellt.
:: Christopher Willits: Surf Boundaries (Ghostly International/Rough Trade)
:: Christopher Willits Sounds
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